Was ist Buprenorphin?

Buprenorphin (z.B. Subutex®) ist ein potentes Schmerzmittel und eignet sich zur Substitutionsbehandlung von Opiatabhängigen, die auf eine ausgeprägte sedierende Wirkung verzichten können oder den Verzicht darauf erlernen wollen. Tendenziell bleiben Patienten und Patientinnen mit Subutex Konsum viel «klarer im Kopf» als z.B. nach der Einnahme von Heroin. Dieser Umstand kann für die aktive Gestaltung einer Tagesstruktur (Arbeit, Terminplanung, soziale Kontakte etc.) eine wertvolle Hilfe sein. Durch die weniger stark sedierende Wirkung von Buprenorphin werden auch allfällige psychisch ungelöste Probleme bewusster wahrgenommen. Im Vergleich zu anderen Opiaten macht Buprenorphin weniger süchtig und eignet sich deshalb gut zur Vorbereitung auf einen Entzug.

Die Verabreichung des Medikaments erfolgt sublingual (unter der Zunge). Um eine optimale Wirkung der Medikation zu erreichen, sollte die Tablette bis zur vollständigen Auflösung unter der Zunge belassen werden (5 bis 10 Minuten). Eine Dauertherapie führt wie bei anderen Opiaten zu einer körperlichen Abhängigkeit.

Wie wirkt Buprenorphin?

Oral eingenommenes Buprenorphin zeigt aufgrund eines hohen hepatischen First-Pass-Effektes (Metabolisierung eines Medikaments in der Leber nach Resorption im Magen-Darm-Trakt) beinahe keine Wirkung und wird deshalb sublingual verabreicht. Es wirkt als teilweiser (partieller) Agonist an den µ-Opioidrezeptoren des Gehirns (Vermittlung von Effekten wie Euphorie, Schmerzlinderung, Herabsetzung der Atmung etc.) und hat antagonistische Wirkungen auf die κ-Rezeptoren (Vermittlung von Effekten wie Dysphorie und Sedierung). Aufgrund seiner speziellen Eigenschaft zeigt der Wirkstoff wichtige Unterschiede im Vergleich zu anderen Opiaten wie z.B. Heroin oder Methadon:

  • Die höhere Bindungsstärke an den Rezeptoren (Rezeptoraffinität) führt zu einer Verdrängung anderer Opiate. Deshalb kann der Konsum von Buprenorphin bei Patienten zu Entzugserscheinungen führen, die kurz vorher Opiate konsumiert haben.
  • Die weniger euphorisierende und schwächer sedierende Wirkung.
  • Die breitere Sicherheitsspanne, da die dämpfenden Effekte auf die Atemfunktion auch bei hohen Dosierungen über 32 mg/Tag limitiert sind (Ceiling-Effekt oder Sättigungseffekt).
  • Die lange anhaltende Wirkung (Rezeptorhalbwertszeit).

Buprenorphin wird im Plasma, Fettgewebe, Muskel- und Knochengewebe eingelagert. Aufgrund der hohen Fettlöslichkeit (Lipophilie) verbleibt es lange Zeit im Fettgewebe und wird von dort aus wieder ins Plasma abgegeben, woraus sich eine Wirkdauer (dosisabhängig) von bis zu 72 Stunden ergibt.

Wie entsteht eine Buprenorphin-Abhängigkeit / Subutex-Abhängigkeit?

Eine Buprenorphin-Abhängigkeit / Subutex-Abhängigkeit entsteht schleichend. Am Anfang der Einnahme stehen häufig die Substitution oder eine missbräuchliche Einnahme. Hauptgründe für eine wiederholte Zufuhr des Medikaments sind die erwünschten Effekte wie Vermeidung von Entzugssymptomen (Substitution) und die psychische Erleichterung durch euphorisierende Wirkungen (eher bei nasalem Konsum).

Mit der Zeit passt sich der Organismus an die Dauerzufuhr des Opioids an. Es entsteht eine Opiattoleranz. Die Gewöhnung verlangt nach immer höheren Dosen um den gleichen Effekt zu erhalten. Infolgedessen wird die Dosis nicht selten schrittweise, auf deutlich mehr als die empfohlene maximale therapeutische Empfehlung erhöht.

Das Absetzen der Substanz nach einiger Zeit (z.B. zur Überprüfung des Schmerzbildes) kann, zumeist auch unerwartet, zu körperlichen und psychischen Entzugssymptomen führen. Mit anfänglich nur leichten, mit Dauer des Ausbleibens aber immer stärkeren Symptomen verlangt der Körper nach erneuter Zufuhr von Buprenorphin-Präparaten. Diesem heftigen, auch psychischem Verlangen wird dann meistens wieder entsprochen.

Die Angst vor Entzugssymptomen oder die Vermeidung von psychischem Unwohlsein nötigt viele Menschen mit einer Buprenorphin-Abhängigkeit / Subutex-Abhängigkeit oft zu einer chronischen Einnahme.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg aus diesem Dilemma bietet der ESCAPE Buprenorphin-Entzug / Subutex-Entzug.

Ich nehme seit vielen Jahren Buprenorphin. Kann ich trotzdem aussteigen?

Es ist richtig, dass sich der Buprenorphin-Entzug / Subutex-Entzug, abhängig von der Dauer der Einnahme, oft zunehmend schwieriger gestaltet. Durch die richtige Vorbereitung, die ESCAPE-Methode und (falls notwendig) die richtigen Medikamente auch während der Nachsorge lassen sich diese Probleme weitgehend vermeiden, auch wenn es sich um eine gegenwärtig hohe Tagesdosis und eine langdauernde Abhängigkeit handelt. Aus unserer Sicht eignet sich Buprenorphin also weniger zur jahrelangen Substitution als einzige Massnahme. Als Medikament zur Entzugsvorbereitung bei einer bestehenden Abhängigkeit kurzlebiger Präparate, wie z.B. Heroin oder Morphin, kann es jedoch helfen die Entzugsdynamik zu verbessern und den Suchtdruck zu mindern.

Die richtige Vorbereitung, das ESCAPE-Entzugsverfahren und eine angepasste Medikation auch in der Nachsorge verringern die Dauer, wie auch die Intensität zermürbender Entzugssymptome selbst bei hoher Dosierung und jahrelanger Einnahme. Die Alternative zum Ausstieg bedeutet nur allzu oft chronische, lebenslange Buprenorphin-Abhängigkeit / Subutex-Abhängigkeit ohne Perspektive. Gerne beraten wir Sie im Vorfeld einer Behandlung, wie sie auch eine höhere Dosierung schrittweise reduzieren können. Denn erfahrungsgemäss erhalten Menschen mit einer Buprenorphin-Abhängigkeit / Subutex-Abhängigkeit bei der Umsetzung dieses Vorhabens oft wenig bis gar keine Unterstützung.

Bei langjähriger Einnahme von hohen Dosen oder fortgeschrittenem Lebensalter lässt sich der Entzug, falls notwendig, auch in zwei Etappen durchführen.

Was sind Ihre Erfahrungen beim Buprenorphin-Entzug / Subutex-Entzug?

Die Entzugssymptomatik tritt typischerweise verzögert auf, eine disziplinierte Vorbereitung (Dosierung und frühzeitige Einnahme der letzten Dosis) ist entsprechend wichtig. Durch Frequenzstimulation mit dem Neuro-Jet® und einer individuell abgestimmten Medikation verläuft die Hauptlast des Entzugs während ca. 4 Tagen mit weniger ausgeprägten Symptomen als bei Vollagonisten wie z.B. Heroin, jedoch kann die Entzugssymptomatik in Abhängigkeit von der Einnahmedauer, dem Alter und der körperlichen Fitness länger anhalten. In diesem Fall bieten wir im Anschluss an den Klinikaufenthalt die Mitnahme eines Neuro-Jets® (innerhalb der Schweizer Landesgrenzen) und entsprechender Medikation an.

Was sind die Voraussetzungen für einen Buprenorphin-Entzug / Subutex-Entzug?

Gerne klären wir mit ihnen zusammen in einem persönlichen Gespräch die Voraussetzungen ab. Dabei spielen Faktoren wie allgemeine Lebenssituation (Beziehungen, Arbeit), Gesundheitszustand (psychiatrische Diagnosen, chronische Schmerzen), Lebensalter, Menge, Applikationsform und Einnahmedauer der Substanz sowie Motivation zur Veränderung eine wichtige Rolle. Es sollte vor jeder Entzugsbehandlung ein klares Ziel in Bezug auf die Perspektiven bestehen.

Ab welcher Dosierung kann ein Buprenorphin-Entzug / Subutex-Entzug erfolgen?

Ein Entzug kann ab einer Dosierung bis max. 3.2 mg sublinguale Einnahme stattfinden. Sollten Sie aktuell höher dosiert sein, fragen Sie uns an. Wir beraten Sie gerne, wie sich auch dieses Problem lösen lässt.

Welche handelsüblichen Medikamente enthalten Buprenophin?

Buprenorphinhaltige Medikamente sind unter verschiedenen Handelsnamen (länderspezifisch von einem bestimmten Hersteller gekennzeichnet und vertrieben) erhältlich:

  • Subutex®, Buprenorphin mepha®, Suboxone®, Temgesic®, Bupensan®

Welche sehr häufigen Nebenwirkungen von Subutex sind bekannt?

Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Hyperhidrosis (übermässiges Schwitzen), Schmerzen, Arzneimittel-Entzugssyndrom.